Guter Journalismus: In diesen Zeiten Gold wert!

ZDF-Terrorfachmann Theveßen beschreibt in einem offenen Brief an die Kanzlerin sehr gut, warum es bei der NSA-Affäre eben nicht um Terrorabwehr geht. Ich empfehle den ganzen Brief zu lesen – ein kleiner Auszug hier:

Die EU-Botschaften wurden ausgespäht. Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan. Der ehemalige Staatspräsident Mexikos. Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff. Darüber hat sich die deutsche Politik fast gar nicht aufgeregt. Aber sie hätte sich fragen können: Wenn doch die alle, warum nicht auch wir? Und warum überhaupt? Ganz einfach: Es geht nicht in erster Linie um Terrorabwehr. Wir stecken mitten drin in einem Kampf um den Erhalt und die Vorherrschaft unterschiedlicher politischer und gesellschaftlicher Systeme. In diesem Konflikt gilt mehr als je zuvor: Wissen ist Macht. Es ist eine wilde und meist geheime Jagd auf Billionen politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und militärischer Informationen, aus denen mithilfe perfektionierter Analysesoftware zukünftige Entwicklungen erkannt aber auch konkrete Handlungsoptionen für politisches und strategisches Handeln entwickelt werden.

Ich resümiere: Es geht nicht um Terrorabwehr, sondern um Vorteile im Cyberwar. Der läuft bereits seit Jahren, und es scheint, als würde uns erst jetzt langsam bewusst, dass wir Bürger Bauernopfer in diesem Krieg sind.

Dazu ein Filmtipp: Die ZDF-Doku „World Wide War“ räumt recht anschaulich mit dem Motiv der Terrorabwehr auf. Einsteiger finden hier die wesentlichen Eckpunkte der Snowden-Affäre.