Vertraue den Daten?!

Predigt zur Jugendvesper des Bistums Osnabrück am 4.3.2021
Video der Predigt

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ein abgelutschter Spruch, oder? Aber irgendwas ist dennoch dran. Zwei Beispiele aus meiner Familie:
Wenn meine Frau und ich unsere Kinder fragen, ob sie ihre Hausaufgaben gemacht haben und sie sagen: Natürlich, Mama, klar, Papa – und wir die Hefte dann doch nochmal ansehen und möglicherweise Flüchtigkeitsfehler finden oder sogar eine falsche Lösung der Matheaufgabe. Oder wenn ich den Gurt doch noch mal überprüfe, obwohl die Kinder sich schon selbst anschnallen können. Dann haben alle was von der Kontrolle, sie dient einem gemeinsamen, höheren Gut. Und wenn wirklich alles in Ordnung ist, wenn – wie versprochen – alle Aufgaben gemacht sind, der Gurt straff sitzt, dann stärkt die Kontrolle das Vertrauen.

Chinas Sozialkreditsystem

Auch China will seinen Bürgerinnen und Bürgern vertrauen. Dort laufen seit einigen Jahren Testprojekte, die unter dem Namen Sozialkredit bekannt sind. Die Idee dahinter: Jede Bürgerin, jeder Bürger, hat einen individuellen Vertrauenswürdigkeits-Score, also einen Wert, der ihre oder seine Vertrauenswürdigkeit angibt. Diesen können die Menschen eigentlich selbst bestimmen, indem sie keine Straftaten begehen, sich an die Verkehrsregeln halten, ihre Rechnungen bezahlen und ein rechtschaffenes Leben führen. Wer einen hohen Score hat, wird vom Staat belohnt, bekommt z. B. kostenfreie Upgrades in der Bahn, kann kostenlos Medien aus der Bibliothek ausleihen oder bekommt eine besonders gute Platzierung in Dating-Apps. Andersherum: Wer nicht vertrauenswürdig ist, der oder dem kann das Internet gedrosselt werden, die Betroffenen können keine Fernzüge mehr buchen oder ihre Kinder nicht mehr auf öffentliche Schulen schicken.

Das Sozialkreditsystem wird möglich durch das intensive Sammeln von Daten. Und davon gibt’s in China genug. Das Land ist Weltmeister im mobilen Bezahlen – wer also wo was kauft, erfährt der Staat. Er überwacht zudem das Verhalten im Internet und wertet es aus. Tja, und dann wären da noch die Kameras – viele Kameras. In China gibt es Schätzungen zufolge zwischen 200 Millionen und 626 Millionen Kameras im öffentlichen Raum, die wirklich jeden Schritt der Menschen kennen, also, ob sie alten Frauen über die Straße helfen und abends direkt nach der Arbeit nach Hause zur Familie fahren – Pluspunkte auf dem Vertrauenskonto -, oder ob sie bei Rot über die Ampel gehen und nach der Arbeit regelmäßig in einer Kneipe oder gar bei einer fremden Bekanntschaft vorbeischauen. Minuspunkte.
Die Vertrauenswürdigkeit bestimmen also letztlich Computersysteme, die mithilfe Künstlicher Intelligenz Gesichter erkennen und diese mit anderen Daten – z. B. der Rechnung aus der Kneipe – zusammenführen.

Klingt wie eine wahr gewordene Black Mirror-Folge, oder? Doch Vorsicht: Die meisten Chines*innen in den Regionen, die an den Testprojekten teilnehmen, scheinen damit einverstanden zu sein. Sie verstehen die Belohnungen als Ansporn und betrachten die Einschränkungen als verdient.  Ihr eigener Vertrauenswürdigkeitsscore ist auch kein Geheimnis. Sie können ihn jederzeit über ihr Handy einsehen. Und: Was wir hier in Deutschland und Europa unter Datenschutz und Privatsphäre verstehen, wird in China aus kulturellen und historischen Gründen völlig anders betrachtet. Vor zu schnellen Urteilen sollten wir uns also hüten. Doch klar ist: Was richtiges und falsches Verhalten ist, was vertrauens- und vertrauensunwürdig ist, entscheidet der Staat mit seinen Algorithmen. So werden nicht nur Diebstahl, Verkehrssünden oder Fremdgehen mit einem niedrigen Score bestraft, sondern diversen Berichten zufolge auch kritische Journalist*innen oder Dissident*innen.
Der Spruch Big Brother is watching you wurde in den letzten Jahren inflationär benutzt. Aber wenn er irgendwo stimmt, dann sicherlich hier.
Der chinesische Staat will seinen Bürgerinnen und Bürgern vertrauen. Er will, dass sie sich untereinander vertrauen. Aber führt das Sozialkreditsystem zu Vertrauen?

Blicken wir zurück auf die Redewendung vom Anfang: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ich glaube, was in China Vertrauen heißt, ist ausschließlich Kontrolle… Es ist nichts anderes als Misstrauen des Staates in seine Bevölkerung.

Qualität vs. Quantität

Dazu kommt: Der Vertrauensbegriff im Sozialkreditsystem beruht auf Daten. Auf Internetdaten, Bewegungsdaten, Nullen und Einsen, Ampel rot oder Ampel grün, Kredit bezahlt oder Kredit nicht bezahlt – also Werten, mit denen Computer rechnen können.

Aber ist Vertrauen in Zahlen, in Daten, zu messen? Ich glaube nicht! Es ist eine Qualität, keine Größe. Vertrauen ist überhaupt nicht zu messen, sondern beruht auf Erfahrungen, Emotionen, Einstellungen. Nicht auf Daten und Zahlen. Wie so vieles in unserem Leben!
Das ist wohl einer der größten Fehleinschätzungen unserer Zeit: Dass die Propheten im Silicon Valley, in Peking oder Anderswo das Credo verbreiten, alles sei in Daten darstellbar – messbar, kontrollierbar und berechenbar…. Dass die manipulativen Werbestrategien der Tech-Industrie uns glauben lassen, intelligente Technik würde unser Leben per se besser machen, nein: wir wären nur dann vollständige Menschen, wenn wir die neuesten Gadgets und Widgets hätten, die alles messen und steuern können.  … und das uns diese digitale Sein uns mehr Kontrolle über unser Leben verheißt.
Dabei, und dafür ist China nur ein Beispiel, kontrolliert die Technik oft uns.

Und kaum jemand widerspricht den Technik-Gläubigen. Aus der Kirche kommen dazu selten deutliche Worte, die daran erinnern, dass der Mensch als nach Gottes Ebenbild geschaffenes Wesen mehr ist als Nullen und Einsen. Die Politik sieht nicht, dass hier Artikel 1 des Grundgesetzes in Frage steht, in dem es heißt: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dabei ist eine Reduzierung auf messbare und verwertbare Daten nichts anderes als ein Angriff auf die Würde des Menschen.
Und was sagen wir den Techno-Göttern, die und nicht als ganzen Menschen, sondern als Datenlieferanten sehen? „Naja, stimmt schon… aber so ne Apple Watch ist ja schon irgendwie ganz geil…“
So blieb der Aufschrei aus, als sich 2015 in den USA eine Kirche gegründet hat, die eine Künstliche Intelligenz als Gott anbetet. So gibt es kaum kritische Worte gegenüber der Quantify Yourself-Bewegung, die mithilfe von Fitnesstrackern und Körpersensoren das Leben vermessen und optimieren will – und deren Anhänger*innen bei der Frage „Wie geht es dir“? nur noch auf die Smartwatch schauen müssen – statt in sich hinein zu horchen. Dabei findet man dort so viel Echtes, so viel Wahres.
Vertrauen zum Beispiel.

Wenn ich jemandem vertraue, dann ist das ein Gefühl. Ein Gefühl der Sicherheit, der Zuneigung, der Gewissheit: Die oder der will mir nichts Böses! Dafür habe ich keine Beweise, die auf Zahlen und Daten beruhen, ich brauche auch keinen Score, der mir anzeigt, was ich empfinde! Nein – wenn ich jemandem vertraue, oder auch nicht vertraue, dann ist das einfach so. Dieses Gefühl ist wahr, obwohl es nicht messbar ist.
Ja, wir vertrauen auch mal den Falschen, ja, Vertrauen kann auch missbraucht werden. Aber auch messbare Zahlen können mich in die Irre führen, z. B. wenn der Maßstab nicht stimmt; Zahlen können manipuliert werden, ein Computer kann gehackt werden. Dagegen ist Vertrauen schon ein ziemlich verlässlicher Kompass für unser Leben. Ein Leben in Vertrauen – So stelle ich mir ein gutes Zusammenleben zwischen Menschen vor.

Vertrauen in Gott

Und so stelle ich mir Gott vor. Mein Glauben ist Vertrauen! Da gibt es keinen Beweis, dass er da ist, keine Standortdaten, die mir seinen Aufenthaltsort zeigen, keine Internetspuren, die er beim Surfen hinterlassen hat, keine Rechnung aus der Kneipe, in der er sein Feierabendbier trinkt, keinen Algorithmus, der sein Sein auswertet.
Und doch weiß ich, dass er da ist und mein Leben liebend umfängt.
Im Buch Jeremia heußt es: „Gesegnet der Mensch, der auf den HERRN vertraut und dessen Hoffnung der HERR ist.“ Und Jesus spricht im Markus und Matthäus-Evangelium zu seinen zweifelnden Jüngern: „Habt Vertrauen, ich bin es.“

Ich wünsche allen Menschen dieses Vertrauen in Gott. Es hat die Kraft, uns durch schwierige Zeiten zu tragen, wenn wir nicht mehr weiterwissen, verängstigt sind oder zweifeln. Wir dürfen darauf vertrauen, dass alles gut wird, auch in Sachen Corona, irgendwann, bald. Und wir können, wir müssen nicht mal genau sagen, warum wir das glauben. Wir wissen einfach, dass da jemand ist, dem wir nicht egal sind.
Und der offenbar das Vertrauen in uns Menschen auch noch nicht verloren hat – obwohl es Millionen Gründe dafür gäbe! Gott hat uns diese Erde anvertraut. Was für ein Risiko! Ein Risiko, das deshalb so hoch ist, weil er uns mit einem freien Willen ausgestattet hat – noch so ein Ding, das nicht messbar ist, dass sich jeder Erfassung durch Datensammler entzieht.

Gott hat uns diesen freien Willen geschenkt, den er nicht kontrollieren kann, und offenkundig auch nicht will. Und doch – nach 200.000 Jahren Krieg und Folter, Umweltzerstörung und menschlichen Allmachtsphantasien – vertraut er uns offenbar noch immer.
Dazu braucht er keine Kameras, keine Algorithmen, keine Berechnungen, kein Gadget, kein Widget, keinen Score.

Checken wir mal die Vertrauens-App in unserem Herzen.
Sie zeigt an: Er ist da. Er ist für uns da.
Big Father is watching you.
Halleluja!

Es ist Safer Internet Day, mein Gott!

Am Dienstag ist Safer Internet Day. Dieser Tag wird seit 1999 in vielen Staaten der Welt begangen, um die Sicherheit von Kindern im Netz zu thematisieren. Mit diesem Thema bin ich ja seit vielen Jahren unterwegs, in Workshops mit Schüler*innen, in Seminaren mit Lehrkräften oder auf Elternabenden. Und hin und wieder auch auf meinem Blog.

Aber warum eigentlich? Es ist doch eigentlich Gottes Aufgabe, uns und unsere Kinder zu schützen! Mehr noch: Es ist sogar eine Zusage! So steht im Psalm 91, hier in der wunderbaren Übersetzung von Buber und Rosenzweig:

Er schirmt dich mit seiner Schwinge, du birgst dich ihm unter den Flügeln, Schilddach, Ringmauer ist seine Treue.
Nicht mußt du vor dem Nachtgraus dich fürchten,
vor dem Pfeil, der am Tage fliegt,
vor der Pest, die umgeht im Dunkel,
vorm Fieber, das im Sonnenglast gewaltigt.

Die Schrift [Buber-Rosenzweig] (1929)


Klare Sache also: Gott schützt die Kinder auch im Internet! Aber warum gibt’s dann Pädophile, die dort Jagd auf Minderjährige machen? Warum werden Tag für Tag Kinder per Chat gedemütigt, gemobbt, erpresst? Warum musste die 10jährige Antonella aus Palermo sterben, weil sie bei der Blackout-Challenge auf TikTok mitgemacht hat und sich beim Luftabschnüren mit einem Gürtel im Badezimmer selbst erstickt hat?
Die Theodizeefrage – warum Gott Leiden in der Welt zulässt – stellt sich also auch im Netz: Warum lässt Gott das zu?
Ich glaube, Gott sitzt auch manchmal vor dem Internet. Er freut sich über die tollen Möglichkeiten, die es bietet, die Kreativität, die grenzenlose Kommunikation. Er sieht aber auch die dunklen Seiten des Netzes – und leidet mit den Opfern und ihren Angehörigen.

Nein, Jugendschutz im Internet ist eine menschliche Aufgabe, keine göttliche. Zum einen ist es eine Aufgabe für die Politik, die endlich zuverlässige Altersprüfungen bei Onlinediensten durchsetzen muss. Die Politik muss die großen Diensteanbieter endlich zur Offenlegung ihrer Algorithmen verpflichten die unsere Kinder und uns tagtäglich verführen und manipulieren wie der Satan in der Wüste.

Jugendschutz im Internet – eine göttliche Aufgabe?

Es ist eine Aufgabe von Schulen, in denen die Chancen und Risiken der digitalen Welt nur in Einzelfällen und oft bruchstückhaft vermittelt werden, in denen die Geschäftsmodelle hinter den Jugend-Apps nicht auf dem Stundenplan stehen, in denen Datenschutz nicht als Persönlichkeitsschutz begriffen wird und in denen nur selten Ansprechpartner*innen bereitstehen, wenn Schüler*innen im Internet in Bedrängnis geraten.

Jugendschutz im Netz ist auch eine Aufgabe für uns Christen. Wo sind wir im Netz präsent – die Bistümer und Landeskirchen, die Gemeinden, die Seelsorger*innen, aber auch wir selbst: Geben wir uns zu erkennen, wenn anderen im Netz Unrecht widerfährt? Machen wir uns stark für die Sache Jesu in der digitalen Welt?

Zuvorderst ist Schutz von Kindern im Netz aber die Aufgabe von denen, die Gott mit dem Schutz von Kindern eingesetzt hat. Der Eltern. Was tun wir um unser Kinder willen, damit das Internet sicherer wird?
Klar: Wir tracken sie!
Wozu hat die Smartwatch einen GPS-Sensor, wozu gibt es die Standortfreigabe bei Whatsapp, wozu gibt’s auf Snapchat die SnapMap?
Damit wir Helikopter-Eltern werden! Genau!
Quatsch. Ich glaube sogar, dass die durch Smartphones vermittelte Nähe zwischen Eltern und Kinder zwar Vorteile hat, aber auch Einfluss darauf, wie Kinder Selbstständigkeit und Problemlösungskompetenz erlernen.

Nein, die große Aufgabe von uns Eltern beim Jugendmedienschutz ist: Zu begreifen, dass die Lebenswelt der Kinder ganz anders durch digitale Medien geprägt ist als unsere – und uns darauf einzulassen.
Im Klartext: Wenn wir wollen, dass uns unsere Kinder uns beim Sprechen über Gefahren ernst nehmen, müssen wir deren Medienkonsum erst einmal selbst ernst nehmen! Wir müssen die Apps ausprobieren, um den Reiz von TikTok und Snapchat nachvollziehen zu können. Wir sollten selbst mal Fortnite zocken – und dürfen sogar Spaß dabei haben – um danach die Gefahren, die uns dabei auffallen, unseren Kindern zu vermitteln. Dann hören sie uns zu!
Sprechen auf Augenhöhe ist eine Aufgabe für beide Seiten. Es ist eine mühsame Aufgabe, weil sie Zeit kostet. Doch ist es Zeit, die aufgewogen wird mit purer Medienkompetenz. Von Eltern und Kindern.

Viele Studien zeigen: Die Familie ist für die junge Generation das Wichtigste im Leben, viel wichtiger als ihr Handy. Darauf können und sollten wir Eltern bauen!
Dann heißt Safer Internet heißt eben nicht Totalkontrolle, weder durch Gott noch durch uns Eltern. Sondern es heißt: Verständnis, Ermächtigung, Vertrauen – also das, was wohl die meisten mit dem Begriff Familie verbinden.

Wir Eltern dürfen uns also ruhig angesprochen fühlen von dem Vers in Psalm 91: Seinen Boten befiehlt er, dich zu hüten auf all deinen Wegen. Denn diese Wege führen auch durch den Klassenchat, auch durch die Snapchat-Inbox und auch durch den TikTok-Feed.

Whatsapp und die Auskunftsrechte, Teil 5: Ein neuer Brief aus Irland

Whatsapp hat sich gemeldet.
Zur Erinnerung: Ich werfe dem Unternehmen eine unzureichende Auskunft über die Verwendung meiner personenbezogenen Daten vor. Diese Position wird vom Bundesdatenschützer gedeckt. (Die ganze Story: Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4)

Die Kommunikationswege sind kompliziert. Mein Ansprechpartner sitzt in einem Referat des Bundesdatenschützers, der wiederum mit der für Whatsapp zuständigen irischen Datenschutzbehörde DPC (Data Protection Commissioner) kommunizert, die dann direkt mit Whatsapp Kontakt hat. Nun hat sich Whatsapp in meiner Sache bei der DPC gemeldet. Das Unternehmen gibt offenbar zu, dass die von mir angefragten Daten durchaus personenbezogen sind:

WhatsApp erklärte, dass einige der Metadaten, auf die die DPC Bezug nahm, als Informationen über eine „identifizierbare“ natürliche Person, in diesem Fall Sie, angesehen werden können und daher personenbezogene Daten im Sinne von Art. 4 Abs. 1 DS-GVO darstellen können, auf die das Recht auf Auskunft Anwendung finden würde, sofern keine Ausnahmen anwendbar sind. WhatsApp behauptete jedoch, dass das Recht auf Auskunft nicht anwendbar sei, wenn WhatsApp die personenbezogenen Daten nicht ohne übermäßige oder unmögliche Anstrengungen abrufen kann (Art. 12 Abs. 5 und Art. 15 Abs. 4 DSGVO).

Aus einem Schreiben der irischen Datenschutzbehörde, Dez. 2020


Das Schlupfloch Anstrengung nutzt Whatsapp denn tatsächlich, um meine Daten nicht herausrücken zu müssen.

WhatsApp erklärte, dass es rechentechnisch nicht machbar sei, diese Daten „pro Nutzer“ abzufragen, um Auskunftsersuchen zu erfüllen, und dass WhatsApp diese Daten dementsprechend in dem Output des RYI-Tools in der Antwort auf Ihr Ersuchen auslässt.

Aus einem Schreiben der irischen Datenschutzbehörde, Dez. 2020


Die irische Behörde hat mich um eine Stellungnahme gebeten, ob ich mit Whatsapps Auskunft zufrieden bin. Das bin ich natürlich nicht.
So antwortete ich meinem Ansprechpartner beim Bundesdatenschutzbeauftragten:

Sie können sich vorstellen, dass ich mit der Rückmeldung von Whatsapp nicht zufrieden bin. Die Daten, die Whatsapp im Facebook-Netzwerk und möglicherweise mit externen Firmen teilt – mutmaßlich solchen Unternehmen, die dem Geschäftszweck nach personenbezogene Daten verarbeiten, um daraus z. B. personifizierte Werbung generieren – sind im vollsten Sinne des Wortes personenbezogene Daten und vor allem als solche wertvoll. Es leuchtet mir nicht ein, warum diese Daten Partnern übermittelt werden können, den Nutzer*innen gegenüber aber ein unverhältnismäßiger Aufwand ins Feld geführt wird. Ich bestehe weiterhin auf Auskunft über alle auf mein Nutzerkonto zurückführbaren Inhalts- sowie Metadaten sowie deren Verwendung gemäß meinen Rechten aus der DS-GVO.

Meine Antwort an die/den DPC zur Argumentation Whatsapps, Januar 2021


Die/der DPC versprocht, dass sie meinen Fall weiterhin prüfen wird. Zudem habe ich den Bundesdatenschutzbeauftragten um eine erneute Stellungnahme gebeten. Ich habe das Gefühl, Whatsapp will sich aus seiner Verantwortung stehlen und verheimlichen, welch große Menge Inhalts- und Verbindungsdaten auch jetzt schon gesammelt und zu Geld gemacht werden. Das wäre nicht im Sinne der Datenschutz-Grundverordnung, nicht im Sinne des Schutzes der informationellen Selbstbestimmtheit der Nutzer:innen und in meinen Augen ein ziemlicher Skandal.
Die Geschichte ist hier sicher noch nicht zu Ende.