Medienbuddies – Kindern ihre Macht im Netz zeigen

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Ich freue mich sehr, dass mein Kollege Nils und ich den Zuschlag für Mittel aus dem Bundesprogramm Demokratie leben erhalten haben. Das Bundesfamilienministerium fördert unser Projekt Medienbuddies – Gemeinsam stark in Netz und Gesellschaft, in dem wir bis Ende 2024 150 Oberschüler*innen aus dem (sehr ländlichen und deshalb an außerschulischen Angeboten armen Landkreis) Emsland stark gegen die Gefahren im Netz machen wollen. In zwei Tagesworkshops im Ludwig-Windthorst-Haus und fünf Nach- bzw. Vormittagen in der jeweiligen Schule besuchen wir die jungen Menschen in ihrer digitalen Lebenswelt. Gemeinsam mit den (freiwillig teilnehmenden) 12-14jährigen suchen wir gemeinsam nach Antworten auf die Ärgernissen und Gefahren, denen sie im digitalen Alltag begegnen: Hassrede, Falschmeldungen, Datensammler, manipulierende Menschen und Algorithmen, Cybermobbing, falsche Freund*innen und Kettenbriefe.

Methodisch bunt zur*zum Medienprofi!

Ziel des Projektes ist – vergleichbar mit Medienscouts-Initiativen der Bundesländer – die Kids zu ermutigen ihr Wissen an jüngere Jahrgänge weiterzugeben. Die Besonderheit bei den Medienbuddies ist aber, dass unsere Teilnehmer*innen mit Unterstützung der Schule auch die nachfolgende Generation von Buddies ausbilden. Dazu erhalten die Schüler*innen und die betreuenden Lehrkräfte bzw. Schulsozialarbeiter*innen alle methodischen und inhaltichen Materialien

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, die wir selbst verwendet haben, zur Verfügung gestellt (zum Projektende über ein OER, d. h. ein offenes Lernpaket, sogar alle Schulen.) Über die Teams-Plattform werden alle Schulen miteinander vernetzt, sodass sich die Buddies und die Pädagog*innen auch gegenseitig konsultieren können.
So legt das Projekt einen ersten, bei vielen Schulen längst überfälligen Schritt in Sachen nachaltiger Medienbildung. In einer Instagramstory berichten wir über den Fortgang des Projektes.

KI-Kunst: Wir und die Macht Kunst zu definieren

KI-generiertes Bild im stil einer Farbzeichnung. Nachtszene, Menschen mit Regenschirmen vor Wolkenkratzern mit asiatischen Schriftzeichen, Leuchtreklamen spiegeln sich auf dem nassen boden
A Night of Colours. Stable Diffusion 1.5, Konzept: Michael Brendel. Titelgebung durch ChatGPT 3 auf Basis des Midjourney-Prompts.

Im Jahre 2023 ist die Kreativszene ist in Aufruhr. Midjourney und andere Bildgeneratoren können mit nur einer Befehlszeile ansehnliche fotorealistische Darstellungen

, Collagen, Logos oder Motive im Stile berühmter Künstler*innen erstellen. Dabei kommen immer wieder Objekte heraus, die, wären sie von Menschen erstellt, als Kunst gelten würden. Doch wo steckt in diesen Werken die Kunst? In der Idee für den Eingabebefehl, in dem Konzept, das die*der Kunstschaffende erdacht hat, in den Werken, mit denen der Bildalgorithmus trainiert wurde – oder nicht zumindest auch ein bisschen im Algorithmus selbst? Ich bezweifle, ob irgendjemand diese Frage ohne einen Restzweifel beantworten kann. Es ist gerade diese Ungewissheit, die vielen Kreativen Kopfzerbrechen bereitet: Werden wir künftig noch gebraucht? KI-Algorithmen können Lyrik verfassen und Bilder erstellen (Videos werden bald folgen), aber auch Beats bauen, Singstimmen erschaffen, komponieren. Selbst wenn es nur um die “Gebrauchskunst” geht, die KI gut, schnell und billig hinkriegt, beispielsweise Popularmusik oder Grafikdesign, dann kann ich die Sorgen der in diesem Bereich Tätigen verstehen. Hunderttausende Musiker*innen, Produzent*innen, Fotograf*innen leben von der Alltagskunst.
Und die Frage nach der Macht im Netz stellt sich hier ebenfalls: Sind wir Internetnutzer*innen darauf vorbereitet, künftig exponentiell mehr Falschmeldungen made by ChatGPT und Fakefotos made by Midjourney zu sehen, wenn sie nicht eindeutig als solche gekennzeichnet sind? Woher nehmen wir neue Bewertungskriterien für Onlineinhalte, wenn wir nicht einmal wissen, ob der Autor des Textes oder des Bildes dabei überhaupt eine Intention hatte? (KIs haben natürlich keine.)

In einer Ausstellung – der ersten, die ich je konzipiert habe – möchte ich der Frage nach der Natur der Kreativität auf die Spur kommen. Sie wird am 3. Juli im Ludwig-Windthorst-Haus eröffnet und ist dort bis zum 30. September zu sehen. Zur Ausstellungseröffnung spreche ich mit einer Kunsthistorikerin und einem KI-affinen Künstler. Herzliche Einladung auch hierzu!

Generative KI-Systeme: Wir und die (schwindende) Macht die Revolution zu gestalten

Aktuelle Projekte 1/5

Der KI-Chatbot ChatGPT von OpenAI treibt mich seit Anfang des Jahres um. In der Februarfolge meines Podcasts Das glaub’ ich gern. habe ich mit dem System über “Gott und die Welt” geredet und dabei mehr als eine Überraschung erlebt. Die Bistumszeitung Kirchenbote hat darüber berichtet.

Ein Befehl in Umgangssprache, und ChatGPT spuckt einen Content Plan für die Social Media-Arbeit der Caritas aus. Quelle: ChatGPT 4, Prompt: M. Brendel

Die Veränderungen, die Anwendungen der generativen KI – also große Sprachmodelle wie GPT4, Bildgeneratoren wie Midjourney und Dall-E 2 sowie KI-gestützte Audio- und Videoanwendungen mit sich bringen

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, sind noch nicht genau vorhersehbar. Klar ist aber: In der Gesellschaft, der Politik, der Bildung, Teilen der Wirtschaft und auch der Kultur wird es zu Umbrüchen kommen. Gut möglich, dass die Disruption so stark ist wie bei den vorhergenden vier Industriellen Revolutionen. Umso dringender sollten wir bei dieser Revolution sicher stellen, dass davon nicht nur wenige Menschen und Konzerne unmittelbar profitieren. Und da sind wir beim Motto dieses Blogs: Wir müssen jetzt überlegen und definieren, jede*r für sich und in ihren*seinen Kreisen, was wir von Künstlicher Intelligenz wollen und was nicht! Nur als aufgeklärte und verantwortungsvoll agierende Menschen können wir das kleine Zeitfenster, dass sich für eine Mitbestimmung der kommenden Veränderungen vielleicht noch bietet, nutzen. Um ehrlich zu sein, bin ich in den letzten Monaten fatalistisch geworden. In meinem Buch Künftige Intelligenz habe ich 2019 noch voller Engagement gefordert, dass es Zeit sei das “wichtigste Gespräch unserer Zeit” zu beginnen. Doch in der breiten Gesellschaft und der Politik ist dieses Gespräch ausgeblieben. Und ich befürchte nun, dass der Zug einer möglichen Mitbestimmung der KI-Zukunft gerade langsam an uns vorbei fährt. Das Bild des KI-Zuges stammt (wenn auch in einem etwas anderen Kontext) von dem schwedischen Philosophen Nick Bostrom, und ich denke, es skizziert unsere jetzige Situation sehr passend:

Der Zug wird in Menschendorf nicht anhalten oder auch nur abbremsen, sondern wahrscheinlich einfach durchrasen.

Nick bostrom “Superintelligenz”, 2016


Wie können wir aus den aktuellen KI-Entwicklungen das Beste für uns und unsere Mitmenschen herausholen? Ich freue mich, dass ich in mehreren Bildungsformaten Referent zu dem Thema sein darf – unter anderem für die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung, den CVJM, das Missionsgymnasium Bardel, den VHS-Verbund eL4 und das Kompetenzzentrum für Lehrkräftefortbildung. Daneben findet am 7. September 2023 ein offener Akademieabend im Ludwig-Windthorst-Haus Lingen statt, zudem ich herzlich einlade.