Diskussion um Handydaten

Im vorigen Artikel habe ich erläutert, warum die Auswertung von durch Smartphones erhobenen Metadaten ein Mittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie sein könnte. Über den in dem Blogeintrag erläuterten Einsatz Künstlicher Intelligenz wird in der Politik derzeit zwar nicht diskutiert, wohl aber über die computergestützte Auswertung von Handy-Standortdaten.
In der aktuellen Diskussion haben sich vier kluge Leute zu Wort gemeldet, auf die ich gerne verweisen möchte:

  • Tech-Freigeist Maciej Cegłowski in der SZ:
    Er stellt sich eine Art Deal mit dem Staat vor: Im Kampf gegen das Virus geben die Menschen ihre Privatsphäre auf. Dann, wenn Covid-19 besiegt ist, sollen sie per Gesetz besser vor der Schnüffelei durch Tech-Unternehmen geschützt sein. ‚Wenn wir dem Staat schon solche Notstandsrechte geben, sollten wir den Preis hochhandeln.‚“
  • Die WDR-Journalisten Dennis Horn und Jörg Schieb im Cosmotech Podcast:
    China setzt Roboter, Drohnen und künstliche Intelligenz ein. Die USA suchen mit Supercomputern nach Medikamenten. Sogar in Deutschland wird die Idee diskutiert, Verdachtsfälle per Smartphone zu überwachen. Welche Ideen sind vielversprechend gegen das Coronavirus? Darüber streiten Dennis Horn und Jörg Schieb in COSMO TECH.
  • Whistleblower Edward Snowden im Videointerview im Rahmen des CPH DOX Dokumentarfilm-Festivals 2020. Er sagt, die Auswertung von Standortdaten sei zwar ein wirksames Mittel, um die Ausbreitung des Virus und Bewegung der infizierten Menschen zu erfassen. Doch Snowden befürchtet, es könnte verlockend sein, mit einer schärferen Datenüberwachung künftig Terroristen oder andere angebliche Staatsfeinde aufzuspüren.

Ich selbst stehe der Datensammlung zur Epidemie-Bekämpfung grundsätzlich offen gegenüber – es geht hier um die Abwägung zweier Übel. Allerdings muss, und das kommt auch in den Beiträgen zur Sprache,

  • die Nutzung der Daten auf diesen Zweck und zeitlich fest begrenzt sein,
  • die Information, wie und von wem die Daten genutzt werden, transparent sein,
  • die Nutzung von unabhängigen Institutionen überwacht werden (beispielsweise Netzpolitik oder Digitalcourage).

Nur die Smarten könn‘ erraten, was die Metadaten taten.

Es ist eine der meist unterschätzten Gefahren für unsere freiheitliche Selbstbestimmung – und deshalb ist die Sammlung von Metadaten in diesem Blog ein immerwiederkehrendes Thema.

Und es wird nicht alt. Deshalb möchte ich an dieser Stelle auf ein Stern-Interview mit der Datenschützerin Katharina Nocun („Die Daten, die ich rief„) verweisen. Auch die aktuelle Folge des wunderbaren „Cosmo Tech Podcasts“ behandelt die unbemerkte und intransparente Sammlung von Meta- (Verkehrs-)Daten durch kommerzielle oder staatliche Späher (und Katharina Nocun kommt dort ebenfalls zu Wort). Der brillante Titel: „Wer hat uns verraten? Metadaten!“.
Meine Empfehlung an alle, die

  • immer noch Whatsapp nutzen,
  • wissen wollen, was die Apps im Hintergrund machen,
  • nicht glauben, dass man anhand von Metadaten private Details über einen Menschen erfahren kann,
  • noch nicht wissen, warum die Verschlüsselung digitaler Inhalte nur die halbe Miete ist,
  • wissen wollen was BND und NSA heute so machen (dürfen).

Digital Wellne$$

Als Schritt zum Detail Wohlbefinden verkauft, lohnt sich Instagrams Ankündigung, künftig bei fremden Posts keine Likes mehr zu zeigen, für das datenhungrige Unternehmen trotzdem. Sebastian Meineck schreibt auf VICE, warum:

Vielleicht geben Nutzende nach der Änderung sogar mehr von sich preis, weil sich der Wettbewerb um Likes weniger heftig anfühlt.

Daneben gibt der Autor Einblick in die Belohnungsmechanismen, die Social Media-Apps bedienen. Diesem Thema habe ich mich in Die Mensch-App ausführlich gewidmet.