Seminar „Digital Privacy“

In verschiedenen Beiträgen dieses Blogs habe ich auf Tools und Einstellungen verwiesen, die – gemäß dem inoffiziellen Motto von Spähgypten – persönliche Daten schützen können, ohne den Komfort in der Nutzung von Computern, Smartphones oder Tablets zu beeinträchtigen (z. B. für Windows, Android, Google…).

Am 31. August 2019 findet in Lingen ein Seminar zu diesem Thema statt. Dafür möchte ich, weil ich es organisiert habe, hier schamlos werben möchte.
Der Datensicherheitsexperte Elmar Brandhorst wird den Interessierten, die an diesem Tag ins Ludwig-Windthorst-Haus kommen, einen Blick in einen Privacy-Werkzeugkasten werfen lassen. Elmar beschäftigt sich seit Jahren u.a. mit den Fragen sicherer Email-Kommunikation, Tracking im Netz oder Alternativen zu Google & Co. Vor allem aber bringt er die Inhalte tierisch unterhaltsam rüber.
Meine wärmste Empfehlung für „Digital Privacy“ am Samstag, 13. August 2019, von 10 bis 17 Uhr im Ludwig-Windthorst-Haus. Die Seminargebühr beträgt 75,00 €

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Die Macht der Psychometrie

Wie das Magazin „New Scientist“ berichtet, waren persönliche Daten von 3 Mio. Facebook-Nutzern eine lange Zeit im Internet frei zugänglich. Wie beim (etwas dramatisierten) Cambridge-Analytica-Fall war wieder eine Facebook-App verantwortlich für das Datenleck.
Dieser unterhaltsame Kurzfilm erklärt die Hintergründe des „Mypersonality“-Quiz‘ und die hinterfragt die Macht der Psychometrie.

Sein Denkmal bröckelt

Snowden – ein gefallener Held?
Für mich zumindest war der NSA-Whistleblower die einzige lebende Person, auf den ich diesen Begriff unter Umständen angewendet hätte. Helden tun Gutes in der Welt, auch wenn sie selbst dafür zahlen müssen. Das hat Snowden getan, indem er die anlasslose Massenüberwachung der NSA und ihrer britischen Geheimdienstschwester offengelegt hat. Deshalb wird er wohl nie mehr in sein Heimatland zurückkehren können.
Doch nun hat er „Haven“ mitentwickelt (Promovideo hier). Diese kostenlose App soll dem Schutz der Nutzer dienen, indem sie die Umgebung überwacht. Gedacht zum Beispiel für die Überwachung eines Hotelsafes. Man lege das Haven-Handy mit in den Safe, und sobald ein Gauner den Safe öffnet, meldet sich das Gerät unbemerkt beim Besitzer (natürlich auf einem weiteren Handy) und schickt gleich noch Beweisfotos mit.

Zuerst dachte ich, dass sei ein PR-Coup von Snowden. Ich dachte, er wolle darauf aufmerksam machen, wie viele Sensoren in Smartphones verbaut sind. Dass wir bitte keiner App trauen sollten. Dass wir bitte vor Installation immer die App-Berechtigungen prüfen sollten. Das wäre ja mal ein crazy Stunt gewesen!
Ist es aber nicht. Drei Wochen nach dem Start der App gibt’s immer noch keine Auflösung. Keinen Rückruf. Kein Entwickler, der den Haven-Code gelesen hat, hat gemeldet, dass die App in Wirklichkeit gar nichts macht. Nein, die App von Edward Snowden, des Mahners vor der anlasslosen Überwachung, tut das, was sie soll: anlasslos überwachen.

Ich glaube, der gute Edward hat da ein Eigentor geschossen. Seine Argumentation, man könne nicht so leicht entführt werden, weil das Handy ja alles beobachte, kann zumindest ich nur mit Gedankenverrenkungen nachvollziehen (aber ich bin nicht allein). Wie die App Menschenrechtsaktivisten konkret helfen soll, auch nur mit Mühe. Dass in vielen Ländern die Überwachung öffentlicher Räume durch Privatleute verboten ist, die App also beispielsweise in Deutschland nur in Privaträumen eingesetzt werden darf, müsste Snowden wissen (heise.de weiß es zumindest).
Braucht die Welt also wirklich diese App?
Bislang waren Snowdens Aussagen stringent: Privatsphäre grundsätzlich gut, Überwachung grundsätzlich schlecht. Warum geht der Whistleblower das Risiko ein, dass seine Fans und auch die Medien die Motive für „Haven“ nicht- oder missverstehen?

Vielleicht, um Sascha Lobo zu stärken, der ein Smartphone im Blick auf die Überwachungsmöglichkeiten eine „famose Premiumwanze“ genannt hat. Ja, das ist sie. Jetzt zum kostenlosen Download. Danke, Edward!