Die Macht der Psychometrie

Wie das Magazin „New Scientist“ berichtet, waren persönliche Daten von 3 Mio. Facebook-Nutzern eine lange Zeit im Internet frei zugänglich. Wie beim (etwas dramatisierten) Cambridge-Analytica-Fall war wieder eine Facebook-App verantwortlich für das Datenleck.
Dieser unterhaltsame Kurzfilm erklärt die Hintergründe des „Mypersonality“-Quiz‘ und die hinterfragt die Macht der Psychometrie.

Sein Denkmal bröckelt

Snowden – ein gefallener Held?
Für mich zumindest war der NSA-Whistleblower die einzige lebende Person, auf den ich diesen Begriff unter Umständen angewendet hätte. Helden tun Gutes in der Welt, auch wenn sie selbst dafür zahlen müssen. Das hat Snowden getan, indem er die anlasslose Massenüberwachung der NSA und ihrer britischen Geheimdienstschwester offengelegt hat. Deshalb wird er wohl nie mehr in sein Heimatland zurückkehren können.
Doch nun hat er „Haven“ mitentwickelt (Promovideo hier). Diese kostenlose App soll dem Schutz der Nutzer dienen, indem sie die Umgebung überwacht. Gedacht zum Beispiel für die Überwachung eines Hotelsafes. Man lege das Haven-Handy mit in den Safe, und sobald ein Gauner den Safe öffnet, meldet sich das Gerät unbemerkt beim Besitzer (natürlich auf einem weiteren Handy) und schickt gleich noch Beweisfotos mit.

Zuerst dachte ich, dass sei ein PR-Coup von Snowden. Ich dachte, er wolle darauf aufmerksam machen, wie viele Sensoren in Smartphones verbaut sind. Dass wir bitte keiner App trauen sollten. Dass wir bitte vor Installation immer die App-Berechtigungen prüfen sollten. Das wäre ja mal ein crazy Stunt gewesen!
Ist es aber nicht. Drei Wochen nach dem Start der App gibt’s immer noch keine Auflösung. Keinen Rückruf. Kein Entwickler, der den Haven-Code gelesen hat, hat gemeldet, dass die App in Wirklichkeit gar nichts macht. Nein, die App von Edward Snowden, des Mahners vor der anlasslosen Überwachung, tut das, was sie soll: anlasslos überwachen.

Ich glaube, der gute Edward hat da ein Eigentor geschossen. Seine Argumentation, man könne nicht so leicht entführt werden, weil das Handy ja alles beobachte, kann zumindest ich nur mit Gedankenverrenkungen nachvollziehen (aber ich bin nicht allein). Wie die App Menschenrechtsaktivisten konkret helfen soll, auch nur mit Mühe. Dass in vielen Ländern die Überwachung öffentlicher Räume durch Privatleute verboten ist, die App also beispielsweise in Deutschland nur in Privaträumen eingesetzt werden darf, müsste Snowden wissen (heise.de weiß es zumindest).
Braucht die Welt also wirklich diese App?
Bislang waren Snowdens Aussagen stringent: Privatsphäre grundsätzlich gut, Überwachung grundsätzlich schlecht. Warum geht der Whistleblower das Risiko ein, dass seine Fans und auch die Medien die Motive für „Haven“ nicht- oder missverstehen?

Vielleicht, um Sascha Lobo zu stärken, der ein Smartphone im Blick auf die Überwachungsmöglichkeiten eine „famose Premiumwanze“ genannt hat. Ja, das ist sie. Jetzt zum kostenlosen Download. Danke, Edward!

Linkempfehlungen: Daten für alle!?

https://unsplash.com/@samuelzellerEs erstaunt und erfreut mich, wie viele Initiativen sich mit dem Themen beschäftigten, die auch diesen Blog prägen. Das große gesellschaftliche Echo bleibt bislang zwar noch immer aus, doch je mehr Menschen sich von unterschiedlichen Seiten den Themenbereichen Datensouveränität, Privatsphäreschutz und informationelle Selbstbestimmung nähern, desto wahrscheinlicher wird der breite Diskurs, dessen unser digitales Zeitalter dringend bedarf. Drei Linkempfehlungen zum Wochenende:


1. Impulspapier: Daten und Gesellschaft

Die Politologin Leonie Beining gibt in dem interessanten, aktuellen Impulspapier „Daten & Algorithmen: Der Puls der Gesellschaft“ einen Überblick über den Stand der Diskussion um die Erhebung und Verwertung vom Daten im Netz und fordert zu einer breiten Debatte über den Wert von persönlichen Daten auf. Daten dürften nicht nur Wirtschaftsgut sein, fordert sie in dem Papier, dass sie für ihren Arbeitgeber, den Thinktank „Stiftung Neue Verantwortung„, erstellt hat. Ich stimme der jungen Wissenschaftlerin in vielen Punkten zu und empfehle die Lektüre des 13 Seiten starken PDFs.


2. Interaktives Projekt: Wissen Sie, wer Sie im Netz verfolgt?

Screenshot "Me and my shadow"

Screenshot „Me and my shadow“

In Beinigs Text wird auf das Projekt „Me and my Shadow“ verwiesen, das das Thema „digitale Spuren“ brilliant aufbereitet. Anhand von interaktiven Grafiken, Karten und Videos erfahren Besucher leicht verständlich (sofern sie Englisch verstehen), welche Internetseiten und Dienste sie im Netz verfolgen („tracken“) und wie schnell sie so die Kontrolle über ihre Daten verlieren. Es stehen Materialien für Workshops zu den Themenbereichen zur Verfügung und How-Tos zum sicheren Surfen.
Fasziniert hat mich „Lost in Small Print„, einer Unterseite, auf der Datenschutzbestimmungen populärer Anwendungen auf die wesentlichen Worte reduziert werden. „Me and my shadow“ ist ein Projekt der NGO „Tactical Tech„, einer internationalen Stiftung mit Sitz in Berlin, die sich mit der politischen und gesellschaftlichen Rolle von Technologie in unseren Leben beschäftigt.


3. Daten-Entgiftungskur

Ein Besuch auf deren Homepage lohnt sich ebenso. Dort steht unter anderem „Data Detox“ zum Download bereit, das eine Art „Entgiftungskur“ für unreflektierte Datenweitergabe ist – ein PDF-Kurs, in dem sich die Nutzer über acht Tage mit Fragen zu ihrem Umgang im Netz beschäftigten.