Prism-Break I: Google

Google Plus - picao / Birgerking, CC BY 2.0Die Webseite prism-break.org gibt Tipps, um die Überwachung durch die Geheimdienste so weit wie möglich einzuschränken. Das mag ein Tropfen auf den heißen Stein sein, denn ich bin nicht sicher, ob je alle Geheimdienstmethoden bekannt sein können; auf deutsch: Ob die Dienste nicht sowieso alles lesen können.
Aber zu versuchen, Softwarehersteller und Internetfirmen zu meiden, die nachweislich mit der NSA oder dem GCHQ zusammen arbeiten (müssen), ist mehr als ein Zeichen: Es ist ein Schritt in Sachen informationeller Selbstbestimmung.

Ich habe mit Google begonnen. Unzählige Dienste des Unternehmens habe ich in den letzten Jahren ausprobiert und nutze viele seit langem. Ich bewundere Google für seinen Anteil an der digitalen Wende. Aber: Google ist ein amerikanisches Unternehmen, das mit den Diensten kooperieren muss. (Es versucht jedoch, den Schaden durch die Affäre gering zu halten, in dem es erwirken will, alle Anfragen zu veröffentlichen. Yahoo ist damit schon erfolgreich gewesen. Zudem erhöht es die Serversicherheit mit sichereren SSL-Zertifikaten, was wiederum Mumpitz ist, wenn sie auf Verlangen ohnehin alle Daten rausrücken.)

1) Googlemail: … ist seit 2006 mein Emailprovider gewesen. Es würde mich nicht überraschen, wenn der Inhalt einer oder mehrerer der 22.000 Mails, die ich gestern vom Server geladen und dann gelöscht habe, auf einem der NSA-Server ausgewertet wurde. Nun habe ich einen Server gemietet und lasse meine Emails, die ohnehin unter meiner eigenen Domain gehostet wurden, durch den Maildienst des Servers empfangen und versenden. Das Interface für die Emaileinstellungen und die Webmail ist weit weniger komfortabel als bei Googlemail, aber diesen Preis zahle ich gerne für meine Privatsphäre. Die ist tatsächlich stärker geschützt, denn „mein“ Server steht in Deutschland bei einem deutschen Unternehmen, das den deutschen, recht verbraucherfreundlichen Datenschutzbestimmungen verpflichtet ist. Ein Zugriff fremder Dienste könnte von den Behörden verfolgt werden.

Zugegeben: Das Einrichten eines gemieteten Servers ist nicht ganz einfach: Ich gebe mein frisch erworbenes Wissen zum Einrichten eines eigenen Mailservers aber gerne weiter.

2) Google Drive: Den Cloudspeicherdienst habe ich nur sporadisch genutzt und nun deaktiviert.

3) Picasa: Einst hatte ich 20 Gigabyte privater Fotos in Googles Bilderspeicher. Bereits seit letztem Jahr sind die Bilder gelöscht und liegen nun ebenfalls auf meinem Webspace. Auch das geht mit einem Verlust von Komfort einher – Googles Dienste sind schlicht und ergreifend an Intuitivität nicht zu überbieten. Dennoch halte ich die Weboberfläche Zenphoto für vielseitig und recht komfortabel.

4) Google Plus: Hätte das bessere Facebook werden können, hat sich meiner Einschätzung nach aber nur bei Internet- bzw. technikaffinen Nutzern durchgesetzt. Ich habe mein Profil gelöscht.

5) Android: … ist ein Handybetriebssystem, das Google maßgeblich mitentwickelt hat und in das viele Googledienste eingebettet sind. Prism-Break schlägt als Alternative das Open-Source-Betriebssystem Cyanogenmod vor. Leider ist das ohne die Googledienste ebenfalls nur sehr eingeschränkt nutzbar. Vor diesem Schritt schrecke ich aber vor allem zurück, weil es die Cyanogenmod-Distribution, die mir die volle Handyfunktionalität ermöglicht, schlicht noch nicht für mein Smartphone gibt.

6) Google Chrome: …war der Internetbrowser meiner Wahl. Schnell, leicht, kompatibel. Jetzt nutze ich Firefox von der Mozilla Stiftung. Kein Rückschritt.

7) Suchmaschine: Auch wenn viele Nutzer bereits zu Konkurrenzsuchmaschinen gewechselt sind: Googles Suchdienst ist für mich leider alternativlos. Kein Dienst bietet mehr Treffer, keine Suche lässt sich so zielgenau formatieren.

Dennoch: Für die meisten Google-Services gibt es Alternativen, auch wenn es stimmt, dass die Einrichtung und Nutzung mit etwas weniger Komfort einhergeht. Paradoxerweise fällt mir dazu ein Zitat von Barack Obama ein:

„Man kann nicht 100 Prozent Sicherheit und 100 Prozent Privatsphäre und null Unannehmlichkeiten haben“.

Aber sie halten sich in Grenzen, wirklich.

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