Brief an den mitlesenden Geheimdienstmitarbeiter

Immer nur über die Geheimdienste zu reden ist natürlich unfair. Deshalb habe ich auf all meinen Cloudspeichern, den vermeintlich sicheren wir den definitiv unsicheren, einen Brief an die Mitlesenden abgespeichert – und zwar im durch meine Zugangsdaten geschützten Bereich. Ob sie sich über meinen Brief freuen? Er enthält folgende Zeilen:

 

Brandon Giesbrecht / CC BY 2.0

Brandon Giesbrecht / CC BY 2.0

Lieber Geheimdienstmitarbeiter,

dieser Text ist privat. Ich als Urheber gebe dir nicht das Recht, diesen Text zu lesen. Aber du tust es. Indem du das tust, verletzt du meine Persönlichkeitsrechte.

Du verletzt mein Recht auf vertrauliche Kommunikation, auf informationelle Selbstbestimmung und darauf, Sachen im Geheimen sagen zu dürfen. Das ist ein elementarer Teil meiner Freiheit. Du verletzt diese Freiheit. Du verletzt die freie Welt.

Ich danke dir und deinen Kollegen, dass du dein Land und unser Land im Namen dieser Freiheit vor dem Terror schützen willst – aber das darfst du nicht tun, indem du auf Verdacht Datenströme abgreifst und auswertest. Diese Datenströme enthalten private Informationen unschuldiger Bürger. Du erhältst ihre Kreditkartendaten, Emailpasswörter und den Zugang zu ihren Facebookprofilen. Du erhältst aber auch Verabredungen zu ersten Dates, Liebesbriefe, Lästereien, Lehrerscherze – Inhalte, die Vertrauen als Basis haben und Vertraute als Adressaten. Bitte respektiere die Privatsphäre der Menschen, die hinter den Bits und Bytes stehen. Der Kampf gegen den Terror darf nicht dazu führen, dass sich Menschen misstrauen, sich nur noch in geheimen Verstecken treffen können, nicht frei ihre Meinung sagen dürfen.

Wenn du der Ansicht bist, dass du trotz dieser Aspekte das Recht oder die Pflicht hast, weiter zu tun, was du tust, lass dir sagen: Ich verabscheue das. Du setzt mehr aufs Spiel, als du begreifst.

Michael

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