Meine ersten Gedanken in ersten Worten

Als Snowden erstmals detailliert über Prism und Tempora berichtet hatte, habe ich auf meinem Blog ems-blick.de – obwohl es definitiv am dem Thema des Blogs vorbei ging – meiner Wut Luft gemacht. Ich schrieb:

Ich war noch nie so enttäuscht von der neuzeitlichen Weltordnung wie derzeit. Die Briten, Amerikaner und andere Geheimdienste fischen die Verbindungs- oder sogar alle Daten der weltweiten Internetkommunikation ab – und begründen das mit dem Schutz vor Terror. Dabei hat niemand der in Deutschland bespitzelten Bürger sie darum gebeten! So etwas ist hier verboten, aus gutem Grund, und ich bin dankbar dafür, dass ich ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung habe. Gleichwohl bin bin ich sicher, dass die deutschen Geheimdienste von den Ausspähungen ihrer Partner “profitieren” – gemessen an dem Motiv.
Deshalb bin ich ebenso ebenso überzeugt davon, dass die deutsche bzw. europäische Politik hier nicht wirklich eingreifen wird. Und das schmerzt, denn ich halte große Stücke auf unser politisches System. Den großen Knall, den dieser Skandal im globalpolitischen Gefüge eigentlich hervorrufen müsste, wird zugunsten guter Wirtschafts- und Militärbeziehungen garantiert ausfallen. Meine Güte, ich klinge wie ein Linker!

Auch meine – Michael Brendels – Daten werden in Washington ausgewertet oder in London sogar ganz dreist einfach mitgeschnitten. Die Briten kennen den Inhalt meiner privaten Emails, kennen meine Fotos und Bankverbindungen, meine PINS, TANs und Sicherheitsschlüssel, alles. Die Amerikaner wissen zumindest, wann ich auf welcher Internetseite war. Ich finde keine Worte, wieviel Abscheu ich dafür empfinde.

Ich spiele tatsächlich mit dem Gedanken, als Zeichen meiner tiefsten Ablehnug meinen kompletten Datenverkehr zu verschlüsseln. Vielleicht wäre es aber hilfreicher, einen kurzen Text auf Englisch zu verfassen, in dem ich das Vorgehen der Geheimdienste verurteile und auf meine Bürgerrechte bestehe. Und den dann in 500 MB-Paketen verpacke (500 MB voll mit diesem Text), sie “Terror gegen Bürgerrechte” nenne und in all meine Cloudspeicher lege, bis sie wiederum voll sind. Und dazu eine Facebookkampagne starte, dass alle das machen. Die Chance steigt, dass einer dieser arroganten, aktivistischen, großmachtgläubigen Geheimdienstler in London oder Washington unseren Protest zur Kenntnis nimmt.

Und dann? Werden wir weiter bespitzelt werden, da bin ich sicher.
Ich glaube, das Internet steht am Beginn einer neuen Ära. Der Ära des Misstrauens gegen die Behörden, der Introvertiertheit der Nutzer… und vielleicht: Des Datenschutzes.
Den freilich auch Terroristen anwenden.

P.S.: Mir fällt auf, dass das Luftbild der GQHC-Zentrale wie das Symbol des Google-Browsers “Chrome” aussieht. Bestimmt nur Zufall.