Facebook+Whatsapp vs. Datenschutz – der Showdown

Zwischen Whatsapp, Facebook und dem Datenschutz scheint es zu einem Showdown zu kommen: Zum Start der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die ein einheitliches, hohes Schutzniveau für personenbezogene Daten in ganz Europa sichern will, wurde bekannt, das Facebook mehr Daten als bisher mit Facebook austauscht, u.a. die Mobilfunknummer.
Gleichzeitig geht der Aktivist Max Schrems mit der Grundverordnung im Rücken gegen Whatsapp, Facebook und Google vor.
Auch ich warte noch auf eine Mail vom Whatsapp-Support in Sachen DSGVO.

Wie das Spiel ausgeht, ist ungewiss. Doch scheinbar gibt es erstmals seit Snowdens Enthüllungen wieder eine breite Öffentlichkeit, die den Schutz persönlicher Daten will. Ich vermute, Die nächsten Wochen und Monate werden viel Dreckiges an den Tag bringen – aber (siehe der BND-Rückzieher)
Wer sich für Datensouveränität stark macht, ist nicht mehr allein!

Facebook und Cambridge Analyica: Ein kleiner Kommentar zur großen Empörung

Der Missbrauch von Facebookdaten durch die Datenbroker von Cambridge Analytica schlägt große Wellen in Medien und Politik. Richtig daran ist, dass es eine Schweinerei ist, dass Nutzerdaten durch Dritte abgegriffen und zweckentfremdet wurden. Doch an der ist jener Dritte, nämlich Aleksandr Kogan, schuld. Facebook jedoch – ohne Bezug der tatsächlichen Begebenheit – mit der Stasi zu vergleichen (KStA), die Macht der Sozialen Netzwerke im Allgemeinen zu kritisieren und gleich auch noch Fake News miteinzubeziehen (Bundespräsident Steinmeier) oder gar den Nutzern Gleichgültigkeit gegenüber ihren Daten vorzuwerfen (Dithmarscher Landeszeitung) – gleich so, als wären sie selbst schuld an dem Vorfall – regt mich tierisch auf.

Es ist ein krasser Unterschied, ob ich meine persönlichen Daten in einem Dienst, den ich nutzen möchte, gegen personalisierte Werbung eintausche – wie es ein Nutzer bei Facebook tut – oder ob diese persönlichen Daten ohne mein Wissen zur politischen Manipulation verwendet werden – wie es Kogans Firma und Cambridge Analytica getan haben.

Mündigkeit der Internetnutzer heißt, darüber im Bilde zu sein, was die Internetnutzung (an Daten) kostet. Verantwortung der Unternehmen heißt, damit transparent umzugehen, die Daten zweckgebunden einzusetzen und eventuelle Partner darauf zu verpflichten (bzw. die Schnittstellen zu schützen, was Facebook im aktuellen Fall hätte besser machen müssen).

Bis diese beiden Grundsätze erfüllt sind, ist es noch ein weiter Weg. Der Ruf nach staatlicher Regulierung der Anbieter hingegen zeigt nur die Überforderung der Rufer mit dem schnellen digitalen Wandel. Das unsägliche Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist ein gutes Beispiel dafür, wie Regulierung nicht laufen sollte.
Eine sachliche Diskussion über die Macht Facebooks ist begrüßenswert – in die aber bitte nicht nur Politiker und Datenschützer, sondern auch Menschenrechtler, Informatiker und Soziologen miteinbezogen werden. Und bei der alle digitalen Säue, die Journalisten gerne durchs Dorf treiben, draußen angebunden werden.

UPDATE 5.4.: Der Digitaljournalist Dennis Horn bringt auf Medium.com etwas Ordnung in die weiterhin chaotische Meinungsmache Berichterstattung.

Von der Freiheit abseits zu stehen.

FDJ Plakat, aufgenommen in der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden von Heinz-Josef Lücking.

Letzten Monat habe ich einen Workshop vor Eltern gehalten. Thema waren Apps, die bei Jugendlichen populär sind, also Whatsapp, Instagram, Facebook und Snapchat. Es ging um deren Bedeutung im Alltag junger Menschen und um deren Risiken im Blick auf Datensouveränität und Privatsphäreschutz. Nach meinem Impuls kam ein gutes Gespräch über die Medienkompetenz von Erwachsenen und deren Rolle in der Vermittlung von Medienkompetenz an Jugendliche zustande.
Bis ein Troll erwachte.
Er hätte das alles schon Tausendmal gehört, sagte er vorwurfsvoll, nicht mit so vielen Details, aber grundsätzlich hätte er das alles schon tausendfach gehört. Warum ihm niemand sagen könne, was man denn tun könne, fragte er lauter. Niemand würde mal ganz klar sagen, was die Alternativen seien. Einige der Anwesenden schüttelten vor Unverständnis den Kopf, doch er redete sich in Rage. Er hätte das alles schon Tausendmal gehört, wiederholte er, spürbar erregt.
Es ginge nunmal nicht – ohne Whatsapp.

Es geht nicht ohne Whatsapp?
Hatte ich nicht gerade mehrere Alternativen genannt, die die Privatsphäre ihrer Nutzer ernst nehmen?
Nein. Er sei im Sportverein aktiv, erklärte der Mann aus der letzten Reihe, immer noch erregt. Da würden alle Whatsapp nutzen. Er könnte mit seinen Leuten nicht kommunizieren, wenn er als einziger kein Whatsapp hätte. Es gäbe einfach keine Alternative. Und keiner könne ihm sagen undsoweiter…

Du darfst nicht abseits stehen?

Ich versuchte dem erzürnten Vater meine Sicht der Dinge darzulegen. Und weil mich sein Rant auch Wochen nach der Veranstaltung immer noch nicht loslässt, möchte ich das auch hier noch einmal machen – etwas ausführlicher, etwas durchdachter freilich, als ich das in der Erschütterung über den unerwarteten Wutausbruch tat.

Wir leben in einem Land, das für die Freiheit, die den Menschen hier gegeben ist, schwere Opfer bringen musste. Zu dieser Freiheit gehört die freie Meinungsäußerung und die Freiheit der Presse. Für diese Freiheit sind im vergangenen Jahrhundert viele Menschen in den Tod gegangen. Für diese Freiheit haben hunderttausende Menschen aus unfreien Ländern große Gefahren auf sich genommen und tun das noch heute, um in dieses freie Land zu gelangen. Zu dieser Freiheit gehört die Kontrolle über seine eigenen persönlichen Daten, für die viele Menschen und auch ich in diesem Blog kämpfen. Und zu dieser Freiheit gehört auch, so banal es klingen mag, die Wahl des Messengers.
Wenn der Preis für den Verzicht auf den einen populären, aber gefährlichen Messenger die erschwerte Kommunikation ist, dann ist das eine schwere Entscheidung, und ich weiß, wovon ich rede – aber eine freie.
Ich denke, die meisten Jugendlichen sind zu dieser Abwägung nicht in der Lage, aber wir Erwachsenen sind es.

Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem es nur einen Messenger gibt – womöglich einen, der mit meinen Texten, Bildern und Videos so umgeht wie Whatsapp. Ich bin froh, dass die Zeit vorbei ist, indem man in die FDJ muss, um studieren zu können. In die Hitlerjugend, um Schulgeldermäßigungen zu erhalten. Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem jeder Sportverein den gleichen Messenger nutzt und jeder, der Mitglied werden will, sich die App erst installieren muss, egal, ob er will, oder nicht.
In dem die Nutzung einer App alternativlos ist.

Nichts ist alternativlos. Das ist Freiheit. Und ohne Freiheit keine Menschenwürde. Und ohne Menschenwürde kein lebenswertes Leben.

Ist die Sprengung eines Workshops alternativlos? Auf jeden Fall entschuldigte sich der gute Mann hinterher bei mir.